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Modul

Theory of Mind

Schrittweises Training im Verstehen der Gedanken, Gefühle und Absichten anderer. Dieses Modul adressiert eine zentrale Herausforderung vieler autistischer Kinder – zu erkennen, dass andere Menschen andere Perspektiven, Überzeugungen und Wissenstände haben.

  • Zielgruppe

    Autismus-spezifisch

  • Altersempfehlung

    6–16 Jahre

  • Teilmodule

    16

Worum geht es

Theory of Mind beschreibt die Fähigkeit, Gedanken, Überzeugungen, Wünsche und Absichten anderer Menschen zu erkennen und nachzuvollziehen. Viele autistische Kinder entwickeln diese Fähigkeit später oder anders als neurotypische Kinder, was soziale Interaktionen erschwert. Das Forschungsfeld geht auf die Arbeiten von Premack und Woodruff in den späten 1970er Jahren zurück und wurde durch klassische False-Belief-Aufgaben (Wimmer und Perner) etabliert. Unser Modul übersetzt dieses Konzept in eine systematische, kindgerechte Lernreihe: von einfachen Wunsch- und Wissenszuständen über Perspektivenwechsel bis hin zu komplexen Inferenzen wie Sarkasmus und bildlicher Sprache. Jede Stufe baut auf der vorherigen auf und wird durch interaktive Szenarien mit unmittelbarem, nicht wertendem Feedback geübt.

Lernziele

  • Eigene und fremde mentale Zustände unterscheiden lernen

  • Erkennen, dass andere andere Überzeugungen und Wissensstände haben können

  • Absichten, Wünsche und Emotionen anderer Personen ableiten

  • Perspektivenübernahme in zunehmend komplexen sozialen Situationen üben

  • Implizite und bildliche Sprache wie Ironie, Sarkasmus und Redewendungen verstehen

Didaktischer Ansatz

  1. 01

    Stufenweiser Aufbau nach klassischen Theory-of-Mind-Entwicklungsmodellen

  2. 02

    Konkrete Szenarien mit visueller und sprachlicher Doppelkodierung

  3. 03

    Schrittweise Steigerung der Komplexität: erste, zweite und höhere Ordnung von Überzeugungen

  4. 04

    Explizite Markierung mentaler Begriffe wie denken, glauben, wissen und vermuten

  5. 05

    Reflexionsphasen, die das eigene Schlussfolgern bewusst machen

Teilmodule

  • Einfache Wünsche & Vorlieben

    Verstehen, dass Menschen unterschiedliche Dinge wollen und dass Wünsche Verhalten antreiben. Die Grundlage dafür, warum Menschen auf bestimmte Weise handeln.

  • Überzeugungen & falsche Überzeugungen

    Lernen, dass Menschen Überzeugungen haben können, die von der Realität abweichen. Klassische False-Belief-Aufgaben in kindgerechte Szenarien übersetzt.

  • Emotionen aus Situationen

    Situationen mit den Emotionen verbinden, die sie typischerweise auslösen. Die Fähigkeit aufbauen, vorherzusagen, wie sich jemand aufgrund eines Ereignisses fühlen wird.

  • Perspektivenübernahme

    Üben, Situationen aus der Sicht einer anderen Person zu betrachten. Verstehen, dass verschiedene Menschen dasselbe Ereignis unterschiedlich erleben können.

  • Absichten & Motive

    Zwischen zufälligen und absichtlichen Handlungen unterscheiden. Die Gründe hinter dem Verhalten anderer Menschen lesen lernen.

  • Sarkasmus & bildliche Sprache

    Erkennen, wenn Worte nicht wörtlich gemeint sind. Übungen zu Ironie, Redewendungen und impliziter Bedeutung in Alltagsgesprächen.

Weitere Module

  • Notlügen & soziale Lügen verstehen

    Wann eine Notlüge sozial sinnvoll ist und wann nicht. Zwischen freundlicher Höflichkeit, Vermeidung und Täuschung differenzieren lernen.

  • Täuschung & Manipulation erkennen

    Anzeichen für gezielte Irreführung erkennen. Eigene Erwartungen und Wahrnehmungen prüfen, ohne in Misstrauen gegenüber jeder Aussage zu kippen.

  • False Beliefs zweiter Ordnung (was sie denkt, dass er denkt)

    Überzeugungen über Überzeugungen: was vermutet jemand, das eine andere Person glaubt. Klassisches Konstrukt höherer Ordnung in altersgerechten Szenarien.

  • Missverständnisse erkennen und reparieren

    Wenn das Gespräch entgleist: woran erkennt man, dass das Gegenüber etwas anderes verstanden hat. Reparatursätze, Nachfragen und respektvolle Korrektur.

  • Soziale Hierarchien & Gruppendynamik lesen

    Statusrollen, informelle Anführer:innen, Cliquen und Gruppenregeln. Sichtbar machen, was in den meisten Settings nicht ausgesprochen wird.

  • Nonverbale Signale interpretieren (Gestik, Haltung, Blick)

    Mimik, Körperhaltung, Blickkontakt und Stimmlage als Träger sozialer Information lesen. Geübt in Szenarien mit Mehrdeutigkeit, nicht in eindeutigen Idealfällen.

  • Versprechen & Vertrauen verstehen

    Was bedeutet ein Versprechen sozial. Erwartete Verlässlichkeit, Umgang mit gebrochenen Zusagen und das Wiederherstellen von Vertrauen.

  • Perspektive in Erzählungen & Geschichten

    Wer erzählt eine Geschichte aus welcher Perspektive. Erzählerwechsel erkennen, die eigene Lieblings-Perspektive hinterfragen, fremde nachvollziehen.

  • Emotionale Reaktionen anderer vorhersagen

    Voraussagen, wie sich jemand in einer Situation fühlen wird, bevor sie eintritt. Die Brücke zwischen Theory of Mind und alltagsnahem Mitfühlen.

  • Moralisches Urteilen & Fairness-Bewertungen

    Was halten Menschen für gerecht und warum. Konflikte zwischen Regeln, Konsequenzen und Absichten in altersangemessenen Dilemmata sichtbar machen.

Altersempfehlung

Theory-of-Mind-Aufgaben sind ab etwa 4 Jahren in einfachster Form lösbar, werden aber im autistischen Entwicklungsverlauf häufig später oder über andere kognitive Strategien erworben. Unser Modul beginnt deshalb bei 6 Jahren mit basalen Wunsch-Wissens-Unterscheidungen und reicht bis 16 Jahre mit komplexen Inferenzen über soziale Hintergründe. Die adaptive KI orientiert sich nicht starr am Alter, sondern an den tatsächlich gemeisterten Vorstufen. Das verhindert Über- und Unterforderung gleichermaßen.

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